Alumni-Porträts

Michael Schäfl

Portrait Schaefl © Michael Schäfl

Michael Schäfl studiert Deutsch und Biologie auf Lehramt an der Karl-Franzens Universität Graz. Daneben ist er als Journalist für die Kleine Zeitung und die Oberösterreichischen Nachrichten tätig.

Im Wintersemester 2018/19 führte ihn die Forschung für seiner Diplomarbeit zu Libuše Moníková an die Universität Pilsen. Gefördert wurde dieser Studienaufenthalt durch ein Stipendium der Aktion Österreich - Tschechische Republik.

Seine Eindrücke während der Zeit in Tschechien, veröffentlichte er in einer Artikelreihe der Oberösterreichischen Nachrichten unter dem Titel "Briefe aus Böhmen".

Seine nachfolgenden Gedanken zur tschechischen Sprache, erschienen in eben dieser Reihe und geben einen kleinen Einblick in die journalistischen Fähigkeiten des Stipendiaten:

Liebe Leserinnen und Leser,

Gemeinsam haben wir grenzübergreifende Traditionen entdeckt, mehrmals einen Blick in die Kochtöpfe der böhmischen Küche geworfen, Weihnachten gefeiert und die tschechischen Heiligen Drei Könige auf ihrer Reise begleitet. Alles in Allem sind wir einem früher vertrauten Nachbarn wieder ein Stück nähergekommen. [...]

Im Übrigen leitet sich das tschechische Wort für Deutsch „Němec“ vom Wort „němý“, Tschechisch für „stumm“, ab. In Anbetracht der komplizierten tschechischen Buchstaben sehr verständlich, denn bevor man Gefahr geht, bei den komplizierten Buchstaben die eigene Zunge zu verschlucken, ist man lieber still. Bei einem Satz wie „Strč prst skrz krk“, der ebenso vokal- wie hoffnungslos ist, kein Wunder. Wenn Sie eine Reise nach Böhmen planen, kann ich Ihnen nur ans Herz legen, diesen Satz zu perfektionieren. Er ist zwar absolut sinnfrei, zu Deutsch: „Steck den Finger durch den Hals“, doch die Tschechen lieben es, Sprachfremde mit dieser artikulatorischen Challenge zum Schwitzen zu bringen. Sie können sich ja mit „Oachkatzlschwoaf“ revanchieren. [...]

Als kleines Abschiedsgeschenk habe ich noch eine Herausforderung für Sie: „Třista třicet tři stříbrných stříkaček stříkalo přes třista třicet tři stříbrných střech.“ Deutsch: „333 silberne Feuerspritzen spritzten über 333 silberne Dächer.“ Mit diesem Knoten in der Zunge vergessen Sie bestimmt nicht auf Ihre Briefe aus Böhmen.

Ihr Michael Schäfl

Martin Janecka

Janecka © Filozofická fakulta Jihočeské univerzity v Českých Budějovicích/Janecka

Stipendiat Mgr. et Mgr. Martin Janecka, Ph.D. ist seit 1. September 2018 bis Ende Februar 2019 im Rahmen eines Habilitationsstipendiums für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden der Aktion Österreich - Tschechien zu Forschungszwecken am Institut für Slawistik der Universität Wien.

Martin Janečka stammt von der Palacký-Universität Olmütz, ist allgemeiner Slawist und Bohemist, der zuvor schon in Potsdam (Slavistik), Berlin (Semiotik) und Bukarest (Anglistik) studierte.

Seine Schwerpunkte sind allgemeine Sprachwissenschaft, Morphosyntax (Kasuskategorie) und Semiotik, linguistische Terminologie, nonverbale Kommunikation und Texttheorie.

Zu seinem Habilitationsprojekt: Ziel dieses Projekts ist es, ein Handbuch zur Beschreibung von Sprachkonstruktionen zu erstellen, das auch die nonverbale Komponente der Sprache berücksichtigt, und anhand von Experimenten mit Aphasik zu demonstrieren, dass eine solche Beschreibung auch fehlerhafte Daten enthalten kann. Ich werde untersuchen, ob (und wie) Aphasik verbale Mängel durch Gesten kompensiert. Ich beabsichtige, einen audiovisuellen Korpus von aphasischen Patienten und Verifikationspersonen zu erstellen, und dann beabsichtige ich, eine Notation von nonverbalen Einheiten (basierend auf HamNoSys) und verbalen Einheiten (basierend auf ASPA) zu erstellen. Dann werde ich versuchen, die Beschreibung verbaler und nichtverbaler Komponenten zu eindimensionalen Konstruktionen wie in der Konstruktionsgrammatik (oder CxG) zu verknüpfen. In der Beziehung zwischen Gestik und Aphasie beschäftige ich mich mit Parallelen bei den Sprachgesten-Beschränkungen, dann bespreche ich Kompensationen von verbalen Defiziten mit Gesten. Die Beziehung zwischen Geste und Aphasie wird durch widersprüchliche Experimente gestützt (Aphasik kompensiert ihren verbalen Mangel nicht durch absichtliche Gesten), basierend auf Experimenten von Cicone et al. (1979) und Jakob et al. (2011). Ziel dieses Projekts ist es, die Notwendigkeit zu demonstrieren, die Gestenproduktion gleichzeitig mit der Sprachproduktion und Mängel beider Modi zu untersuchen. Es ist notwendig, auf diese Weise gewonnenes Wissen in der multimodalen Grammatik zu berücksichtigen, wobei darauf hingewiesen wird, dass einige fehlerhafte Daten ebenfalls beschrieben werden

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Andrej Artemov

Artemov © Filozofická fakulta Jihočeské univerzity v Českých Budějovicích/Artemov

Mgr. Andrej Artemov, Ph.D. forschte im September 2018 am Institut für Slawistik der Universität Wien im Rahmen eines Habilitationsstipendiums für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden der Aktion Österreich - Tschechien.

Herr Artěmov ist in St. Petersburg geboren, wo er dann auch Slawistik mit Schwerpunkt Bohemistik studierte. Er ging anschließend nach Tschechien, wo er an der Südböhmischen Universität ein Doktoratsstudium der Neueren tschechischen Literatur absolvierte. Er unterrichtet Tschechisch, Russisch und Französisch, und zwar speziell den praktischen Spracherwerb, aber auch wissenschaftliche Fächer an der Südböhmischen Universität in Budweis, sowie an der Technischen und Wirtschaftshochschule in Budweis, sowie an der Westböhmischen Universität in Pilsen.

Seine Interessensgebiete sind kognitive Linguistik und vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft. In Wien widmet er sich folgendem Forschungsprojekt: Settlement and fortification terminology in Czech and Russian.

Im Rahmen seines Projekts geht es vor allem um die Identifikation der Einflüsse des Deutschen und Französischen auf die tschechische und russische Terminologie des Festungsbaus gegliedert nach historischen Perioden. Sein Schwerpunkt sind dabei die Festungsbauten des 18. Jahrhunderts.

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Fritz Trümpi

Portrait © Hanna Worliczek/MDW

Fritz Trümpi, Dr. phil. (* 1974 in Glarus/CH), studierte Allgemeine Geschichte, Philosophie und Musikwissenschaft in Zürich, Wien und Berlin. Er war Doktoratsstipendiat des Schweizerischen Nationalfonds und lehrt und forscht heute als Musikhistoriker in Wien.

Im Februar 2018 erhielt er ein Forschungsstipendium für Universitätslehrende der Aktion Österreich - Tschechien: er forschte zum Thema "Geschichte des österr.-ungar. Musikerverbandes - böhmische, mährische und schlesische Zweigvereine" an der Masaryk Universität in Brno.

Trümpi war Lehrbeauftragter an diversen in- und ausländischen Universitäten und war wissenschaftlicher Mitarbeiter im FWF-Projekt „Eine politische Geschichte der Wiener Oper 1869–1955“: www.iwk.ac.at. 2013 war er Mitglied der Forschungsgruppe zur Untersuchung der Geschichte der Wiener Philharmoniker im Nationalsozialismus. Sein Buch „Politisierte Orchester. Die Wiener Philharmoniker und das Berliner Philharmonische Orchester im Nationalsozialismus“ (Böhlau 2011) wurde im November 2012 mit dem Irma-Rosenberg-Preis der Stadt Wien ausgezeichnet. Fritz Trümpi ist Assistenzprofessor an der mdw und forscht schwerpunktmäßig zu Musikkultur(en) der ehemaligen Habsburgermonarchie und deren Nachfolgestaaten.

Zuzana Augustova

Portrait © Zuzana Augustova/Augustova

"Mein Aufenthalt hat mir ermöglicht, in meinem Beruf weiterzukommen, wichtige beruflichen Positionen an der Akademie der musischen Künste und in der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik zu erlangen und mich habilitieren zu können. Das bedeutet für mich auch eine wesentliche finanzielle Verbesserung. Ich kann meine berufliche Erfahrungen und neue Kontakte bei internationalen Projekten in Österreich wie auch in Tschechien bei Konferenzen und Symposien weiterzuentwickeln. Im Rahmen meines Stipendiums hatte ich an der Zusammenarbeit mit der Forschungsplattform Elfriede Jelinek und Elfriede Jelinek-Forschungszentrum teilgenommen, die bis heute dauert. Auch hatte ich neue Kontakte mit dem Institut für Slawistik an der Universität Wien angeknüpft, wo ich dann im nächsten Wintersemester 2013 unterrichtet habe. Meine damals zehnjährige Tochter konnte drei Monate mit mir in Wien verbringen, wo sie die bilinguale Schule des Jan Amos Komenský besuchte, was ihre intellektuelle und sprachliche Fähigkeiten sehr unterstützte und ihre, wie auch meine, Lebenserfahrungen sehr erweiterte. Ich hatte seit 90er Jahren mehrere Stipendienaufenthalte in Wien absolviert, jetzt konnte ich aber diese Stadt, die ich sehr liebe, mit ihrer Kultur, Theatern, Ausstellungen und Lebensqualität, auch meinen Kindern annähern. Mein Sohn hat hier auch einen monatlichen Intensiv-Sprachkurs (B2) an der Uni Wien in der Zeit meines Stipendium absolviert."

Die Theaterwissenschaftlerin Zuzana Augustová, die sich in Tschechien aktiv für die Bewerbung österreichischer Literatur einsetzt (Präsentation auf der Prager Buchmesse) PhDr Zuzana Augustova, bekam ein Habilitationsstipendium der Aktion Österreich-Tschechien von Jänner bis Juni 2013.

Aus ihrem Konzept: "In meiner Habilitation verfolge ich die Schlüsselpunkte in der Entwicklung der österreichischen Nachkriegsdramatik von den 50er bis in die 90er Jahren. Meine Arbeit ist vor allem auf das sprachexperimentelle und sprachkritische Schaffen österreichischer Dramatiker/Innen dieser Zeit orientiert. Bei ausgewählten Autoren/Innen wie Elfriede Jelinek und Werner Schwab, die am wesentlichsten mit Stilisierung und Deformation der Sprache arbeiten, um sie gleichzeitig zu thematisieren, wird die Analyse bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts übergreifen."